Energiewirtschaft 2026

Warum Plattformen, Automatisierung und KI über die Zukunft entscheiden

Die Digitalisierung der Energiewirtschaft gewinnt 2026 weiter an Dynamik. Stadtwerke und Energieversorger stehen vor der Herausforderung, steigende regulatorische Anforderungen, Fachkräftemangel und den Ausbau erneuerbarer Energien gleichzeitig zu bewältigen. Welche Rolle Plattformstrategien, Automatisierung und Künstliche Intelligenz dabei für Stadtwerke und Energieversorger spielen, erläutert Damian Steinberg, Product Manager von Stadtwerk365, im Experteninterview. 

Herr Steinberg, wie fällt Ihre Zwischenbilanz für die Energiewirtschaft im Jahr 2026 aus?

Aus meiner Sicht ist 2026 vor allem ein Jahr der operativen Reife. Viele Stadtwerke und Energieversorger haben die Herausforderungen der vergangenen Jahre erfolgreich bewältigt und ihre Beschaffungs- sowie Vertriebsprozesse stabilisiert. Nun geht es darum, diese Prozesse dauerhaft effizient, skalierbar und wirtschaftlich zu gestalten. 

 

Besonders deutlich wird dabei eines: Digitalisierung ist längst kein Differenzierungsmerkmal mehr, sondern eine Grundvoraussetzung für wettbewerbsfähige Energieversorger. Das betrifft insbesondere den Kundenservice, die Abrechnung, die Marktkommunikation und die Automatisierung von Geschäftsprozessen. Gleichzeitig sehen wir bei vielen Unternehmen noch erhebliches Potenzial bei der Umsetzung dieser Themen. 

 

Damian Steinberg, Product Manager Stadtwerk365

Ein weiterer klarer Trend ist die steigende Nachfrage nach integrierten Plattformlösungen. Die Branche bewegt sich zunehmend weg von isolierten Einzellösungen und hin zu durchgängigen End-to-End-Prozessen. Ziel ist es, Datensilos aufzubrechen, Medienbrüche zu vermeiden und eine konsistente Prozesslandschaft zu schaffen. 

 

Hinzu kommt ein erheblicher Investitionsdruck. Einerseits müssen Netzinfrastrukturen für den Ausbau erneuerbarer Energien modernisiert werden, andererseits sind hohe Investitionen in die Digitalisierung notwendig. Beide Themen sind strategisch essenziell und konkurrieren häufig um dieselben finanziellen und personellen Ressourcen. 

 

Die gute Nachricht lautet: Die akuten Krisenjahre liegen hinter der Branche. Die Herausforderung besteht nun darin, die strukturelle Transformation erfolgreich zu gestalten. Effizienz, Automatisierung und eine klare Plattformstrategie werden dabei zu entscheidenden Erfolgsfaktoren. 

Welche Entwicklungen und Herausforderungen erwarten Sie im zweiten Halbjahr 2026?

Die Anforderungen an Energieversorger werden weiter steigen. Der wachsende Anteil volatiler erneuerbarer Energien erfordert ein deutlich höheres Maß an Flexibilität und Effizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 

 

Gleichzeitig gewinnen Themen wie Redispatch, Netzengpässe und die Integration dezentraler Erzeugungsstrukturen weiter an operativer Bedeutung. Versorger müssen zunehmend in der Lage sein, auf dynamische Markt- und Netzsituationen zu reagieren. 

 

Ein weiteres zentrales Thema wird die Nutzung von Daten und Künstlicher Intelligenz sein. Datengetriebene Geschäftsmodelle, intelligente Prognosen und automatisierte Entscheidungsprozesse entwickeln sich zunehmend vom Innovationsprojekt zum operativen Standard. 

 

Hinzu kommen erwartete regulatorische Anpassungen, beispielsweise im Bereich Marktdesign oder Netzentgelte. Diese erhöhen den Anpassungsdruck zusätzlich und verlangen flexible Systeme, die Veränderungen schnell abbilden können. 

 

Letztlich wird die Fähigkeit, Innovationen schnell umzusetzen und zu skalieren, zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Viele dieser Herausforderungen lassen sich nur mit einer konsequenten Plattformstrategie und klar definierten End-to-End-Verantwortlichkeiten erfolgreich meistern. 

Vor welchen zentralen Herausforderungen stehen Stadtwerke und Energieversorger aktuell?

Die Liste der Herausforderungen ist lang. Ganz oben stehen der hohe Investitionsbedarf für Netzinfrastruktur und die Integration erneuerbarer Energien. 

 

Gleichzeitig muss die Versorgungssicherheit gewährleistet werden, obwohl das Energiesystem zunehmend komplexer und volatiler wird. Parallel dazu steigen die Anforderungen an Digitalisierung, Datenmanagement und Cybersecurity. 

 

Hinzu kommt der Fachkräftemangel, der viele Unternehmen dazu zwingt, Prozesse stärker zu automatisieren und effizienter zu gestalten. Darüber hinaus befinden sich zahlreiche Versorger mitten in der Transformation hin zu service- und plattformorientierten Geschäftsmodellen. 

 

Zusammengenommen führen regulatorische Vorgaben, steigende Kosten und ein dynamischer Markt dazu, dass Unternehmen ihre Innovationsgeschwindigkeit und operative Effizienz deutlich erhöhen müssen. 

Wie reagiert die Produktentwicklung von Stadtwerk365 auf diese Entwicklungen?

Unsere Antwort auf diese Herausforderungen ist ein konsequenter Plattformansatz. Ziel ist es, fragmentierte Systemlandschaften durch integrierte Prozesse zu ersetzen und damit Effizienzpotenziale zu erschließen. Vertrieb, Kundenservice und Abrechnung sollen nahtlos zusammenarbeiten, anstatt in voneinander getrennten Systemen abzubilden. 

 

Vor dem Hintergrund des steigenden Kostendrucks investieren wir gezielt in skalierbare Standardlösungen und Wiederverwendbarkeit. Dadurch können Implementierungsaufwände reduziert und neue Anforderungen deutlich schneller umgesetzt werden. 

 

Ebenso wichtig ist für uns die hohe Updatefähigkeit unserer Plattform auf Basis von Microsoft Dynamics 365 Technologie. Die regulatorische Dynamik in der Energiewirtschaft verlangt Lösungen, die sich flexibel an neue Markt- und Gesetzesanforderungen anpassen lassen. 

 

Stadtwerk365 versteht sich dabei als Effizienzhebel. Die Plattform hilft dabei, vorhandene Ressourcen optimal zu nutzen und Investitionen in digitale Prozesse messbar wirksam zu machen. Damit ist Stadtwerk365 weit mehr als nur ein CRM für Stadtwerke. 

 

Ein besonderer Fokus liegt auf der End-to-End-Digitalisierung und Automatisierung zentraler Kernprozesse. Dadurch können Energieversorger steigende Komplexität mit gleichbleibenden oder sogar geringeren Ressourcen bewältigen. 

 

Stadtwerk365 – die Plattform für die Energiewirtschaft

Zusätzlich treiben wir den Einsatz von KI und Datenintelligenz voran – beispielsweise für die Automatisierung von Kundenanliegen, intelligente Prognosen oder die Unterstützung von Prozessentscheidungen. 

 

Klassische Beispiele sind hier zum einen automatische E-Mail-Klassifizierung und Routing. So lassen sich Massenprozesse wie Zählerstandsmeldungen völlig automatisieren. Zum anderen kann man eine bessere Servicequalität im Kundendialog liefern, wenn man Kundenhistorien immer transparent im Zugriff hat. 

 

Mit neuen Zusatzprodukten wie Kundenportalen und Landing Pages schaffen wir zudem neue Möglichkeiten für die digitale Interaktion mit Endkunden. Das verbessert die Kundenerfahrung und stärkt die Kundenbindung nachhaltig. 

Welche konkreten Einsatzmöglichkeiten sehen Sie für Künstliche Intelligenz in der Energiewirtschaft?

Die Potenziale sind enorm. Schon heute können wir mithilfe von KI Massenprozesse automatisieren und damit Einsparungen im sechsstelligen Bereich ermöglichen. Nehmen wir als Beispiel den Einsatz des ITVT Service Companion im Kundenservice für Energieversorger: Bei unseren Kunden werden durch diese Lösung schon 98% aller Kundenanliegen automatisch klassifiziert, und über 80% der Anliegen werden automatisiert und schnell für die Kunden gelöst.  

 

Dabei reichen die Einsatzmöglichkeiten von vorbereitenden und qualifizierenden Tätigkeiten im Backoffice über interne und externe Interaktionen mit spezialisierten KI-Agenten bis hin zu intelligenten, weitgehend automatisierten Prozesssteuerungen. 

 

Besonders spannend ist die Innovationskraft, die wir gemeinsam mit unseren Kunden erleben. Viele Energieversorger bringen neue Ideen und Anwendungsfälle ein, die wir gemeinsam weiterentwickeln. Dieser Community-Gedanke schafft Mehrwerte für alle Stadtwerk365-Kunden und beschleunigt die Einführung innovativer Lösungen. 

Unsere KI, um Engpässe zu meistern: ITVT Service Companion

Wie sollten Energieversorger das Thema KI strategisch angehen?

Der erste Schritt besteht darin, die organisatorischen und technischen Voraussetzungen für den Einsatz von KI zu schaffen. Unternehmen benötigen ein klares Mandat und eine eindeutige strategische Ausrichtung. 

 

Denn selbst die beste Idee scheitert häufig an mangelnder organisatorischer oder technologischer Readiness. Das bremst nicht nur Innovationen aus, sondern kann auch dazu führen, dass engagierte Innovationstreiber dem Unternehmen verloren gehen. 

 

Darüber hinaus sollte jede KI-Idee einen strukturierten Reality Check durchlaufen. Dabei geht es nicht nur um die technologische Machbarkeit, sondern auch um den tatsächlichen geschäftlichen Nutzen und den erwarteten Return on Investment. 

 

Ein bewährter Ansatz ist die Orientierung an unserem ITVT Maturity Model für die Energiewirtschaft. So lassen sich der aktuelle Reifegrad objektiv bewerten und die nächsten Entwicklungsschritte systematisch ableiten. 

Klarheit in 4 Schritten: Mit dem ITVT Maturity Model 

Welchen Rat würden Sie Entscheidern in der Energiewirtschaft aktuell mit auf den Weg geben?

Ein Satz bringt es aus meiner Sicht sehr gut auf den Punkt: „Keine Entscheidung ist schlimmer als die falsche Entscheidung.“ 

 

In einer Zeit, in der sich Märkte, Technologien und regulatorische Anforderungen immer schneller verändern, wird Handlungsfähigkeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Unternehmen sollten Innovationen strukturiert bewerten, aber gleichzeitig den Mut haben, Entscheidungen zu treffen und Erfahrungen zu sammeln. 

 

Stillstand ist heute oft das größere Risiko. 

Wie können Stadtwerke und Energieversorger ihren digitalen Reifegrad bestimmen und die nächsten Schritte ableiten?

Der wichtigste Schritt ist eine ehrliche Standortbestimmung. Unternehmen sollten zunächst analysieren, wie weit Digitalisierung, Automatisierung und KI in der Energiewirtschaft bereits in ihren Kernprozessen verankert sind und wo die größten Potenziale liegen. 

 

Ein strukturiertes Reifegradmodell hilft dabei, Handlungsfelder systematisch zu identifizieren. Dabei werden Themen wie Technologie, Prozesse, Daten, Governance und organisatorische Voraussetzungen bewertet. 

 

Auf Basis dieser Transparenz lassen sich konkrete Maßnahmen priorisieren und realistische Roadmaps entwickeln. Entscheidend ist dabei, nicht mit der Technologie zu beginnen, sondern mit den geschäftlichen Zielen und dem erwarteten Nutzen. 

 

Wer den eigenen Reifegrad kennt, kann Investitionen gezielt steuern, Risiken reduzieren und Innovationen deutlich schneller in messbare Ergebnisse überführen. 

Nur einer unserer Kunden in der Energiewirtschaft: e-regio GmbH & Co KG aus Euskirchen

Vielen Dank für die Einblicke, Herr Steinberg!

Fazit: Die Energiewirtschaft steht in herausfordernden Zeiten vor einer weiterhin tiefgreifenden Transformation. Für Damian Steinberg lautet die Frage daher nicht mehr, ob Stadtwerke Digitalisierung, Automatisierung und KI einsetzen sollten. Die Frage lautet vielmehr, wie schnell sie dies tun, um ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. 

Digitalisierung in der Energiewirtschaft erfolgreich gestalten

Ob Plattformstrategie, Prozessautomatisierung oder Künstliche Intelligenz – der richtige Zeitpunkt für die Weichenstellung ist jetzt. 

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